Das Buch: Weil du mir so fehlst von Ayse Bosse und Andreas Klammt
Trauer-Topic: Kindertrauer, ErinnerungenÂ
Trauer-Barometer: unmessbar unendlich, weil hier ja deine eigene Trauer drinstecktÂ
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„Weil du mir so fehlst” ist ein Trauerbuch im Bärenpelz. Es hat sich als stinknormales Kinderbuch getarnt – mal sehen, welche Geschichte hier drinsteckt – und entpuppt sich mit jeder umgeblätterten Seite mehr zum abwechslungsreichen Mitmach-Werk, mit dem die Trauer spĂĽr-, versteh- und greifbar wird. Damit wird das Buch zu einem richtigen Alltagshelden.Â
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Ein Trauerbuch im Bärenpelz
Ein loses Blatt Papier segelt mir entgegen, als ich das Buch zum ersten Mal aufschlage. „Mein Recht auf Trauer” steht darauf und „Jedes Kind darf trauern, wie es will” und darunter eine lange Liste mit Dingen, auf die Kinder ein Anrecht haben. Wowsi, ein Statement ganz nach meinem Geschmack. Und schon jetzt bin ich ziemlich sicher, dass mir die Richtung, in die die Reise mit diesem Buch geht, sehr gut gefällt. Und da wir mit „Segeln” angefangen haben, setze ich meine Segel, um in dieses tolle Buch hinein zu starten.Â
Auf den ersten Seiten gehen wir mit dem kleinen Bär zusammen durch seine Geschichte, die den Rahmen fĂĽr das gesamte Buch gibt. Der Bär hat jemanden verloren, den er sehr gerne hatte. Und er trauert. Â
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„Das ist gemein, dass jemand, den man lieb hat, nie wieder zurĂĽckkommt.” Â
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Doch er will hier nicht alleine trauern. Vielmehr ist der Bär ein kuscheliger Trauerbegleiter. Er ist hier, um einen Raum zu öffnen, einen Raum fĂĽr trauernde Kinder. Und das tut er schon nach wenigen Seiten. „Hier soll es um dich gehen!” ruft das Buch. „Hier gebe und halte ich dir einen Raum fĂĽr deine Trauer. Nutze ihn fĂĽr dich, wann und wie du ihn brauchst.”Â
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Trauer begreifbar machen: Mitmachen, fragen, erinnern
Starten kann man damit, ein Foto von der Person einzukleben, die einem fehlt. Es fĂĽhlt sich ein bisschen wie ein Freundebuch fĂĽr eine*n Verstorbene*n an. Irgendwie cool, damit kennen sich ja die meisten Kinder aus. Und gleich auf der nächsten Seite ist ganz viel Platz fĂĽr Fragen. Im wahrsten Sinne des Wortes: Die Seite besteht aus vielen Linien und gibt Raum fĂĽr all die Fragen, die sich aufdrängen, weil da jetzt jemand fehlt. Mit einem schönen Hinweis dazu:Â
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„Nicht auf alle Fragen gibt es eine Antwort. Das ist nicht so schlimm. Und nicht jede Antwort gefällt mir. Das ist auch in Ordnung. Hauptsache, ich kann darĂĽber reden und bin nicht allein mit meinen Gedanken.”Â
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Was AyĹźe Bosse hier macht, finde ich toll. Sie sagt den Kindern, was ist und sein darf. Und gleichzeitig vermittelt sie dieses Trauerwissen auch den Erwachsenen, die möglicherweise mit dem Kind zusammen lesen. Win-win. Trauerarbeit fĂĽr alle.Â
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Trauerwissen für Kinder – und für Erwachsene gleich mit
Die kommenden Seiten sind gefĂĽllt mit einem wahnsinnig schönen und bunten Methodenmix fĂĽr die Trauerarbeit zu Hause. Denn genau das ist es, was wir Trauerbegleiter*innen sehr gut und gerne machen. Trauerwissen zugänglich vermitteln, sodass die Trauerarbeit auch alleine gelingen kann. Und dieses Buch, das ist wirklich ein Paradebeispiel dafĂĽr. Die Kinder dĂĽrfen darin „so viele Tränen malen, wie ihr braucht”, ausprobieren die Wut in einen BrĂĽlleimer zu schreien, tröstende Dinge um ein Labyrinth drapieren, verkriechen ĂĽben, Erinnerungsgläser befĂĽllen, ein Naschrezept fĂĽr sĂĽĂźe Trauerklöße ausprobieren, aufmalen wo sie sich den Verstorbenen gerade vorstellen und und und.Â
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„Hier könnt ihr in den Suppentopf malen oder schreiben, was alles in eurer Trauersuppe rumschwimmt.”Â
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 Klare Worte über den Tod
Dass die Autorin ausgebildete Trauerbegleiterin ist, das liest man aus jeder Zeile heraus. Sie weiĂź, ES muss ausgesprochen werden. Der Tod. Das ist nicht zu viel, sondern das, was es braucht, um in der neuen Realität ankommen zu können. Klare Worte finden. Die können trotzdem einfĂĽhlsam sein. Aber sie lassen keinen Deutungsspielraum und machen ganz klar, was passiert ist. Und man spĂĽrt, sie hat schon mit vielen Kindern ĂĽber den Tod gesprochen. Denn das, was sie schreibt, ist nicht das, was die Erwachsenen normalerweise zu Kindern ĂĽber den Tod sagen. (Leider!) Was sie schreibt, ist das, was jemand von Kindern gehört hat, die offen ĂĽber den Tod, den Verlust und ihre Trauer sprechen durften. Und das wiederum in ein Buch fĂĽr Kinder zu verpacken ist doch toll – so fĂĽhlen sie sich schneller gesehen, mit diesem blöden groĂźen Rucksack namens Trauer, den sie sich ja selbst nicht aufgesetzt haben.Â
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„Keiner hat ihn gefragt, ob er das will, das mit dem Tod. Das ist fies, so richtig fies. Tod ist doof!”Â
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Und eigentlich, ja eigentlich sind das gar keine reinen Kindergedanken. Vielleicht ist die Tonalität anders, aber jede Seite dieses Buches ist voll mit Gedanken, die Trauernden jeden Alters bekannt vorkommen dĂĽrften. Hier fĂĽhlt man sich verstanden, ohne dass man was sagen muss. Ich mag das sehr!Â
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„Die kleinen, neuen Nachbarn sind fleissig und fröhlich.Â
Seltsam, dass alles einfach so weitergeht. Â
Die Welt geht einfach weiter.Â
Aber es fehlt doch jemand!Â
Merkt das denn die Welt nicht?”Â
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Ein Trauerbegleiter für Kinder – und für alle, die mitlesen
Und nach all den Angeboten, sich mit der eigenen Trauer auseinanderzusetzen, ihr Raum zu geben und einen richtigen, echten Ort, da knĂĽpft die Autorin noch einmal an die Geschichte vom Bären an und schlieĂźt die Trauerbegleitung mit ein paar Worten ab.Â
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„Vorhin hat es geregnet und es duftet nach nassem Gras. Der Bär und seine Freunde haben den ganzen Tag gespielt. Sie sind wie wild durch die PfĂĽtzen gesprungen. Das war leicht und lustig. (...) Das mit dem Traurigsein ist wie mit den PfĂĽtzen. Reinspringen und wieder rausspringen. Und die Welt geht weiter. Und das Leben geht weiter. Aber eben anders.”Â
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Ein Buch fĂĽrs Abschied nehmen, Vermissen und Erinnern. Das ist “Weil du mir so fehlst” wirklich. Ich wĂĽrde sagen, es ist ein Trauerbegleiter, der immer zur Hand ist. Ein Trauerbegleiter in a book. Â
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Hier findest du "Trauer ist das GlĂĽck, geliebt zu haben" von Chimamanda Ngozi Adichie bei Thalia.*
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Carolin Junge Caro ist ein kreatives Mastermind mit ganz viel Herz, das ganz besonders laut für Bücher schlägt. Da kommen mal locker 50 gelesene Bücher im Jahr zusammen – nur noch getoppt vom Stapel ungelesener Bücher, der einfach nicht aufhören will zu wachsen. Mit ihrem Unternehmen oh boy! und als Fachbuch-Autorin hat sie sich im Branding & Storytelling einen Namen gemacht. Als ausgebildete Trauerbegleiterin (VMN) hat sie außerdem das Büro Ciao gegründet, einen Creative Space in Sachen Trauer. Damit bringt sie frischen Wind und mehr Awareness in die staubtrockene Trauerkultur. Mit ganz neuen, kreativen Trauerprojekten holt sie das Tabu-Thema unter dem viel zu hohen Teppich hervor (Stay tuned!) und bringt Menschen dort mit Tod und Trauer in Berührung, wo es auf den ersten Blick "eigentlich gar nicht hingehört".    |


