Trauer und Menstruation: Wenn Körper und Seele zusammenfinden

Trauer und Menstruation: Wenn Körper und Seele zusammenfinden

Es gibt Momente im Leben, die besonders herausfordernd sind. Trauer ist eines davon, und die monatliche Menstruation kann für viele ebenfalls eine anstrengende Zeit sein. Was passiert, wenn beides zusammenfällt und wir den Verlust eines geliebten Menschen verarbeiten, während unser Körper durch hormonelle Veränderungen aus dem Gleichgewicht gerät? Diese Verbindung bleibt oft unausgesprochen, obwohl sie viele Menstruierende betrifft. Lasst uns gemeinsam anschauen, wie diese beiden Erfahrungen miteinander verknüpft sind? 

 

Der doppelte Sturm: Hormone und Emotionen 

Die Menstruation ist mehr als nur ein körperlicher Prozess. Sie bringt hormonelle Veränderungen mit sich, die eine emotionale Achterbahnfahrt auslösen können. Während des Zyklus schwanken insbesondere die Hormone Östrogen und Progesteron stark, was Auswirkungen auf unser Wohlbefinden und unsere psychische Belastbarkeit hat. In der Lutealphase, also kurz vor der Menstruation, sinkt der Östrogenspiegel, während Progesteron ansteigt. Diese hormonelle Umstellung kann zu Reizbarkeit, Erschöpfung und Niedergeschlagenheit führen. Für viele Menstruierende ist genau diese Phase emotional anspruchsvoll und psychisch belastend. In Phasen der Trauer, in denen der Geist ohnehin stark gefordert ist, können hormonelle Schwankungen während der Menstruation Gefühle von Traurigkeit und Erschöpfung verstärken. Körperliche Symptome wie Schmerzen und allgemeines Unwohlsein während der Menstruation können die emotionale Belastung zusätzlich verstärken. 

Hormonelle Veränderungen in der zweiten Zyklushälfte können die Anfälligkeit für negative Emotionen steigern (Schmidt et al., 2017). Dies kann dazu führen, dass Menschen sich kurz vor und während der Menstruation besonders sensibel fühlen. Wenn in dieser Zeit Trauer hinzukommt, kann das Gefühl der Überforderung besonders stark sein. Einige Menschen berichten, dass sie während dieser Zeit ihre Trauer intensiver erleben, da die körperlichen Veränderungen auch ihre emotionale Belastung verstärken können. 

 

Empfehlungen für die einzelnen Zyklusphasen 

  1. Follikelphase (nach der Menstruation bis zum Eisprung): Jetzt ist die Zeit, deinen Energieschub zu nutzen. Probiere etwas Neues aus: Vielleicht möchtest du deine Wohnung umgestalten, einen neuen Kochkurs machen oder einfach ein kreatives Projekt beginnen. Diese Phase eignet sich besonders gut, um Neues zu erkunden und kreativ zu sein. Ein Vision Board für deine Wünsche und Ziele könnte genau das Richtige sein, um deine Energie auf positive Weise zu kanalisieren. 

  1. Ovulationsphase (Eisprung): In dieser Phase blühst du auf und fühlst dich besonders sozial und kommunikativ. Nutze diese Energie, um Kontakte zu pflegen und dich mit Menschen zu umgeben, die dir guttun. Plane ein gemütliches Picknick im Park oder einen entspannten Nachmittag im Lieblingscafé. Tiefe Gespräche und das Zusammensein mit Freund:innen können dir helfen, emotionale Belastungen zu verarbeiten und deine Verbindung zu anderen zu stärken. Wenn du dich eher zurückziehen möchtest, kannst du kreative Tätigkeiten wie Zeichnen oder das Bemalen von Steinen in Ruhe genießen. 

  1. Lutealphase (nach dem Eisprung bis zur Menstruation): Diese Phase ist geprägt von Rückzug und Selbstfürsorge. Nimm dir Zeit für eine kleine Auszeit: eine Teezeremonie für dich selbst, mit einem guten Buch oder entspannender Musik im Hintergrund. Vielleicht möchtest du auch einen Spaziergang im Wald machen und die Natur bewusst wahrnehmen. Schreibe deine Gedanken auf, vielleicht als Gedicht oder als Brief an dich selbst. Es hilft, die Emotionen zu ordnen und die innere Unruhe zu beruhigen. 

  1. Menstruationsphase: Während der Menstruation ist es besonders wichtig, dir Ruhe und Erholung zu gönnen. Erstelle ein kleines Ritual der Gemütlichkeit“ – vielleicht ein warmes Bad mit beruhigendem Lavendelöl oder eine Massage mit deinem Lieblingsduft. Zieh dich in einen ruhigen Raum zurück, zünde eine Kerze an und höre sanfte Musik. Nutze diese Zeit, um ganz bewusst im Moment zu sein und dich selbst zu umsorgen. Aktivitäten wie achtsames Malen, Stricken oder das Lesen eines guten Buches helfen dabei, sowohl körperliche Beschwerden als auch Trauer sanft zu bewältigen.

 

Endometriose und der Schmerz der Trauer 

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Endometriose eine schmerzhafte Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst. Menschen, die unter Endometriose leiden, erleben oft besonders starke Menstruationsschmerzen, die in Phasen der Trauer fast unerträglich werden können. Endometriose verursacht chronische Schmerzen, die sowohl den Körper als auch die Psyche belasten. In Zeiten der Trauer, in denen die Psyche ohnehin unter Stress steht, können diese Schmerzen noch intensiver empfunden werden. Die hormonellen Schwankungen und die körperliche Belastung durch Endometriose machen es Menschen in dieser Phase oft doppelt schwer, mit ihrer Trauer umzugehen. 

 

Der Körper spricht: Trauer als körperliche Empfindung 

Trauer manifestiert sich nicht nur geistig, sondern auch körperlich. Sie kann zu Verspannungen, Schmerzen und einem allgemeinen Gefühl der Schwere führen. Während der Menstruation können diese Schmerzen besonders intensiv wahrgenommen werden. Der Bauch zieht sich zusammen, der Rücken schmerzt, und die Müdigkeit scheint übermächtig. Es gibt sogar Untersuchungen, die nahelegen, dass Trauer das Immunsystem schwächen kann (Stroebe et al., 2007), und während der Menstruation, wenn der Körper ohnehin belastet ist, wird dieses Gefühl von Schwäche noch intensiver. 

Stresshormone wie Cortisol können während der Trauer erhöht sein (O'Connor et al., 2012). Während der Menstruation kann dies zusätzlich zu einem Gefühl von Überforderung und innerer Unruhe führen. Der Körper kann in dieser Phase in einen "Kampf-oder-Flucht-Modus" geraten, was das emotionale Erleben zusätzlich belastet. 

 

Ein Zyklus im Schatten der Trauer 

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) und die Phase der akuten Trauer können beide durch Schlafprobleme, Appetitveränderungen, Reizbarkeit und eine intensive Emotionalität gekennzeichnet sein. Wenn beides zusammentrifft, kann das Gefühl der Überforderung zunehmen. Triggernde Situationen können während der Menstruation stärkere Reaktionen hervorrufen. 

Trauer kann den Menstruationszyklus beeinflussen, da Stress den Hormonhaushalt stören und zu unregelmäßigen Blutungen oder zum Ausbleiben der Periode führen kann. Das zeigt, wie eng unser Körper und unsere Emotionen miteinander verflochten sind. 

 

Wie kann man sich in dieser Zeit selbst helfen? 

Es ist wichtig, sich in dieser Phase besonders achtsam und sanft zu behandeln. Die Kombination aus Trauer und Menstruation ist kein Zeichen von Schwäche, sondern zeigt, wie komplex unser menschliches Erleben ist. Kleine Rituale können helfen: Ein warmes Bad, eine sanfte Bauchmassage oder das Auflegen einer Wärmflasche können sowohl körperliche als auch emotionale Spannungen lindern. Auch das bewusste Zulassen von Gefühlen ist heilsam sei es durch ein kreatives Projekt oder das Schreiben in ein Tagebuch, um die inneren Stürme auf Papier zu bannen. 

Um mit diesen Herausforderungen umzugehen, empfiehlt es sich, den eigenen Zyklus gut zu kennen und entsprechend zu planen. Besonders in den Tagen vor und während der Menstruation ist es hilfreich, achtsam mit sich umzugehen und sich Zeit zur Verarbeitung der Gefühle zu nehmen. Manche Menschen finden es unterstützend, die Trauer auch körperlich auszudrücken durch sanfte Bewegung wie Yoga, das den Fokus auf den Atem und das Körpergefühl lenkt. Studien zeigen, dass sanfte Bewegung sowohl bei Menstruationsbeschwerden als auch bei depressiven Verstimmungen helfen kann (Daley, 2009). Wenn der Körper bewegt wird, kann auch der Geist freier fließen. 

 

Fazit: Körper und Emotionen im Einklang 

Trauer und Menstruation sind kraftvolle Erfahrungen, die uns daran erinnern, wie eng Körper und Seele miteinander verbunden sind. Wenn wir uns das bewusst machen und uns erlauben, sanft mit uns selbst umzugehen, können wir lernen, diese Herausforderungen zu bewältigen. Es gibt keine einfache Lösung, aber vielleicht liegt genau darin die Kraft: In der Akzeptanz, dass Trauer und Menstruation Teil unseres menschlichen Seins sind. Wenn wir beides miteinander verweben, können wir ein tieferes Verständnis für uns selbst entwickeln. 

 

Quellen: 

  • Schmidt, P. J., et al. (2017). The Influence of Hormones on Mood during the Menstrual Cycle. Harvard Review of Psychiatry. 

  • Stroebe, M., Schut, H., & Stroebe, W. (2007). Health outcomes of bereavement. The Lancet. 

  • O'Connor, M.-F., et al. (2012). Grief, cortisol, and sleep: The role of complicated grief. Psychosomatic Medicine. 

  • Daley, A. J. (2009). The Role of Exercise in the Treatment of Menstrual and Depressive Symptoms. British Journal of General Practice.

 

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Anemone Zeim

Anemone Zeim ist Gründerin von Vergiss Mein Nie und schreibt hier über das, was bleibt, wenn das Leben einen Punkt macht – oder manchmal nur ein Komma. Sie bewegt sich elegant zwischen klugen Fußnoten, wildgewordenen Gedanken und poetischen Bauchgefühlen. Sie entwickelt Rituale für Trauernde, die anders sind, die Freude machen, die wirken. Anemone glaubt daran, dass Trauer mehr kann als traurig sein – nämlich verbinden, verwandeln und manchmal sogar ein kleines bisschen glitzern.

     

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