Kuscheltiere und Trauer – Trostspender in schweren Zeiten

Kuscheltiere und Trauer – Trostspender in schweren Zeiten

Trauer zeigt sich nicht nur in Gedanken und Gefühlen, sondern auch im Körper. In Zeiten von Verlust suchen viele Menschen nach Trost, Nähe und Halt. Kuscheltiere können dabei – auch für Erwachsene – eine überraschend kraftvolle Unterstützung sein. Sie wirken beruhigend, aktivieren das Körpergedächtnis und helfen, Erinnerungen und Verbundenheit körperlich erfahrbar zu machen.

 

Warum Kuscheltiere auch Erwachsenen Trost spenden

Kuscheltiere gelten oft als etwas, das nur für Kinder gedacht ist, und viele Erwachsene erlauben sich nicht, auf diese Art des Trostes zurückzugreifen. Doch in der Trauer sind wir oft auf der Suche nach etwas, das uns Halt gibtetwas, das uns Trost spendet, wenn die Welt um uns herum unendlich leer und kalt erscheint. Für viele Erwachsene sind Kuscheltiere in diesem Moment eine unterschätzte, aber unglaublich wirkungsvolle Quelle des Trostes. Diese weichen Begleiter, die wir oft mit Kindheit und Sicherheit verbinden, entfalten auch in der Trauer eine tiefe, tröstende Wirkung.  

 

Der Kuscheltier-Effekt: Berührung, Oxytocin und Geborgenheit

Der sogenannte Kuscheltier-Effekt bezieht sich auf die beruhigende Wirkung, die das Halten oder Umarmen eines Kuscheltiers auf den Körper hat. Wissenschaftliche Studien, wie beispielsweise eine Untersuchung der Universität Basel, haben gezeigt, dass dabei das Hormon Oxytocin freigesetzt wird, das auch als 'Kuschelhormon' bekannt ist. Oxytocin wirkt beruhigend, lindert Stress und vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit – all das ist besonders wertvoll in Momenten intensiver Trauer. Die Studie der Universität Basel untersuchte die Hirnaktivität von Personen beim Streicheln eines echten Hundes im Vergleich zu einem Kuscheltier. Die Ergebnisse zeigten, dass der Kontakt mit dem echten Hund zu einer stärkeren Aktivierung des präfrontalen Kortex führte, der für die Verarbeitung sozialer und emotionaler Interaktionen zuständig ist. Diese Erkenntnisse lassen sich jedoch auch auf Kuscheltiere übertragen, da sie ähnliche sensorische Erfahrungen bieten (Quelle: Universität Basel, 2021). Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass dabei das Hormon Oxytocin freigesetzt wird, das auch als 'Kuschelhormon' bekannt ist. Oxytocin wirkt beruhigend, lindert Stress und vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit – all das ist besonders wertvoll in Momenten intensiver Trauer. Sie sind mehr als nur Objektesie sind verkörperte Erinnerungen, die uns eine Brücke zur Nähe bauen. 

 

Kuscheltiere und Körpergedächtnis

Das Konzept des Körpergedächtnisses ist hier entscheidend. Wie bereits beschrieben, speichert unser Körper die Erinnerungen an geliebte Menschen nicht nur im Kopf, sondern tief in unseren Muskeln, in unserer Haut und in den sensorischen Empfindungen. Kuscheltiere sind ein Schlüssel, um diese verkörperten Erinnerungen zu aktivieren und zu pflegen. Das Gewicht des Stofftiers, der weiche Stoff und sogar der vertraute Duft können uns in Momenten der Trauer auf körperlicher Ebene trösten. Die Berührung des Stoffes aktiviert unser Körpergedächtnis (das Gedächtnis des Körpers, das tief verwurzelte Erinnerungen an Empfindungen und Erfahrungen speichert) – und das Körpergedächtnis ist, wie Køster es beschreibt, eine wesentliche Basis für die Aufrechterhaltung einer fortdauernden Bindung zu Verstorbenen. 

 

Kuscheltiere als flauschige Trauerhelfer

Kuscheltiere als Trostspender bei Erwachsenen sind also kein Zeichen von Kindlichkeit, sondern Ausdruck tiefer Verkörperung. Sie bieten eine sensorische Erfahrung, die dabei hilft, die Gefühle von Verlust und Liebe fühlbar zu machen und zu verarbeiten. Wenn wir ein Kuscheltier festhalten, geben wir unserem Körper die Möglichkeit, eine präzise, greifbare Erinnerung zu bewahren. Dieses Ritual der Berührung, des Haltens und Umarmens ist Bodywork (körperliche Arbeit oder Übungen, die helfen, Emotionen durch Bewegung oder Berührung zu verarbeiten), die den Gefühlen Raum gibt und sie auf sanfte Weise durch den Körper strömen lässt. 

Ein besonders wirksames Beispiel dafür ist der Einsatz von personalisierbaren Kuscheltieren (Stofftiere, die durch persönliche Gegenstände oder Düfte individualisiert werden können) in der Trauerarbeit. Diese Stofftiere können etwa mit Kleidungsstücken der Verstorbenen oder besonderen Gegenständen gefüllt werden, die eine tiefe emotionale Verbindung herstellen. Sie werden zu Erinnerungsobjekten (Gegenstände, die eine besondere Verbindung zur verstorbenen Person herstellen und Erinnerungen wachrufen), die sowohl eine physische Präsenz als auch eine liebevolle Verkörperung der verstorbenen Person darstellen. Es gibt auch Berichte von Menschen, die Duftstoffe verwenden, die sie mit der verstorbenen Person assoziieren. Dieser Duft kannkombiniert mit der weichen Berührungeine fast unmittelbare emotionale Reaktion hervorrufen, die Trost und Geborgenheit spendet. 

 

Berührung, Geruch und Trauerbewältigung

Die Forschung zeigt, dass sensorische Erlebnisse, insbesondere Berührung und Geruch, stark mit der Aktivierung des Körpergedächtnisses zusammenhängen. Eine Untersuchung von Myers-Coffman und Simpkins (2017) betont, dass haptische Erinnerungen, wie das Halten eines Kuscheltiers oder das Spüren eines weichen Stoffes, dazu beitragen können, den Verlust zu verarbeiten und eine Form von Geborgenheit und Kontinuität zu erzeugen. In ihrer Studie untersuchten Myers-Coffman und Simpkins die emotionalen Reaktionen von Menschen, die ein Kuscheltier als Trostspender in der Trauer nutzen. Sie fanden heraus, dass die Berührung eines vertrauten weichen Gegenstandes, wie etwa eines Kuscheltiers, eine sofortige Beruhigung auslöst, die über die Freisetzung von beruhigenden Hormonen wie Oxytocin vermittelt wird. Diese sensorischen Erfahrungen unterstützen nicht nur das Gefühl der Sicherheit, sondern helfen auch, den Verlust auf eine körperlich erfahrbare Weise zu verarbeiten, indem sie das Gefühl einer fortdauernden Bindung aufrechterhalten. Diese Forschung unterstreicht die wichtige Rolle von sensorischen Ankern (sinnliche Eindrücke wie Berührung oder Geruch, die helfen, Erinnerungen lebendig zu halten) in der Trauerbewältigung, insbesondere bei Erwachsenen, die nach physischen Wegen suchen, um ihre Emotionen zu verarbeiten. 

 

Rituale mit Kuscheltieren in der Trauer

Rituale mit Kuscheltieren können auch eine tiefe Heilwirkung haben. Zum Beispiel kann ein einfaches abendliches Ritual, bei dem man das Kuscheltier fest an sich drückt, während man an den geliebten Menschen denkt, dazu beitragen, das Gefühl der Nähe zu bewahren. Es ist eine sanfte Methode, um die Trauer im Körper zu verarbeiten, ohne sie zu unterdrücken. Dieses Ritual kann zusätzlich durch bewusste Atemübungen unterstützt werden: Während du das Kuscheltier hältst, atme tief ein und aus, und stelle dir vor, dass jeder Atemzug die Verbindung zu dem geliebten Menschen stärkt. Diese Kombination von bewusster Berührung und Atmung hilft, das Körpergedächtnis zu aktivieren und ein Gefühl von Nähe und Trost herzustellen. Durch den Kuscheltier-Effekt wird zudem die Ausschüttung von beruhigenden Hormonen wie Oxytocin unterstützt, was den tröstenden Effekt verstärkt. 

 

Kuscheltiere als symbolische Gesprächspartner

Ein weiteres Ritual könnte darin bestehen, das Kuscheltier in Gespräche mit einzubeziehen. Setze dich in einen ruhigen Raum und halte das Kuscheltier fest, während du mit dem Verstorbenen sprichst. Das Kuscheltier wird zu einem symbolischen Stellvertreter für die geliebte Person und ermöglicht es dir, die Worte, die du vielleicht noch sagen möchtest, auszudrücken. Diese symbolische Kommunikation ist eine kraftvolle Möglichkeit, den Gefühlen Ausdruck zu verleihen und das Gefühl der Verbundenheit aufrechtzuerhalten. Es ist eine verkörperte Art der Kommunikation (eine Art des Ausdrucks, bei der Gefühle durch den Körper vermittelt werden), die dem Körper und der Seele Raum gibt, die Trauer bewusst zu erleben. 

 

Leere Hände füllen – Kuscheltiere für Sterneneltern

Kuscheltiere bieten uns die Möglichkeit zur Selbsterfüllung in der Trauer, das bedeutet die Fähigkeit, uns selbst aktiv Trost zu spenden in der Trauer. Sie helfen uns, mit den eigenen Händen etwas zu tun, das uns beruhigt und ein Gefühl der Nähe schafft. Dies gilt insbesondere für sogenannte SternenelternEltern, die ein Kind verloren haben. Oft wird von der quälenden Erfahrung der "leeren Hände" gesprochen. Ein Kind, das nicht mehr da ist, hinterlässt buchstäblich eine physische Leere, da die Hände es nicht mehr tragen, halten oder beruhigen könnenIn solchen Momenten bieten Kuscheltiere eine tröstliche Möglichkeit, diese leeren Hände zu füllen. Sie sind keine vollständige Lösung, aber sie helfen, die Lücke zu überbrücken und eine symbolische Verbindung zu bewahren. Das Umarmen eines Kuscheltiers ermöglicht es Sterneneltern, die Bewegung des Haltens, die so sehr Teil ihrer Erinnerung und ihres Körpergedächtnisses ist, wieder zu erleben und dadurch ein Gefühl von Nähe und Trost zu erfahren. Sie helfen uns, die Leere in unseren Händen zu füllen, sie sind ein Gegenstück zur Abwesenheit, ein Symbol für die Nähe, die wir spüren möchten.

 

Trost liegt im Körper

Wenn wir das Kuscheltier festhalten, schaffen wir einen Moment der Präsenz, in dem die Abwesenheit des geliebten Menschen für einen Augenblick erträglicher wird. Sie erinnern uns daran, dass Trost nicht nur in Worten, sondern in Berührung, im Körper und in der sinnlichen Erfahrung liegt. Dieses Ritual der Berührung und der bewussten körperlichen Erfahrung unterstützt uns dabei, unsere Trauer nicht zu verdrängen, sondern sie als Teil unserer Realität anzunehmen und zu integrieren. Kuscheltiere sind kleine, treue Begleiter, die die emotionale Lücke ein Stück weit füllen und uns helfen, die Wunden der Trauer zu pflegen, damit sie mit der Zeit heilen können. 

 

 

Quellen: 

- Køster, A. (2020). "Longing for Concreteness: How Body Memory Matters to Continuing Bonds". VBN Aalborg University. 

- Køster, A. (2021). "The Felt Sense of the Other: Contours of a Sensorium". Phenomenology and the Cognitive Sciences, 20, 57–73. [https://doi.org/10.1007/s11097-020-09657-3](https://doi.org/10.1007/s11097-020-09657-3) 

- Myers-Coffman, K., & Simpkins, S. A. (2017). "Body Memory in Grief". Springer. 

- Klass, D., & Steffen, E. (Eds.). (2018). "Continuing Bonds in Bereavement: New Directions for Research and Practice". Routledge, Taylor & Francis Group. 

- Universität Basel (2021). "Hirnaktivität beim Streicheln von Haustieren im Vergleich zu Kuscheltieren". science.orf.at. 

- Forschung und Wissen (2021). "Haustiere fördern Gesundheit und Wohlbefinden". forschung-und-wissen.de. 

- Køster, A. (2020). "Longing for Concreteness: How Body Memory Matters to Continuing Bonds". VBN Aalborg University. 

- Køster, A. (2021). "The Felt Sense of the Other: Contours of a Sensorium". Phenomenology and the Cognitive Sciences, 20, 57–73. [https://doi.org/10.1007/s11097-020-09657-3](https://doi.org/10.1007/s11097-020-09657-3) 

- Myers-Coffman, K., & Simpkins, S. A. (2017). "Body Memory in Grief". Springer. 

- Klass, D., & Steffen, E. (Eds.). (2018). "Continuing Bonds in Bereavement: New Directions for Research and Practice". Routledge, Taylor & Francis Group. 

 

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Anemone Zeim

Anemone Zeim ist Gründerin von Vergiss Mein Nie und schreibt hier über das, was bleibt, wenn das Leben einen Punkt macht – oder manchmal nur ein Komma. Sie bewegt sich elegant zwischen klugen Fußnoten, wildgewordenen Gedanken und poetischen Bauchgefühlen. Sie entwickelt Rituale für Trauernde, die anders sind, die Freude machen, die wirken. Anemone glaubt daran, dass Trauer mehr kann als traurig sein – nämlich verbinden, verwandeln und manchmal sogar ein kleines bisschen glitzern.

     

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