Caro liest laut: Was bleibt, wenn wir sterben von Louise Brown - Vergiss Mein Nie

Caro liest laut: Was bleibt, wenn wir sterben von Louise Brown

Das Buch: Was bleibt, wenn wir sterben von Louise Brown

Trauer-Topic: Abschiede, Erinnerungen, Trauerreden 

Trauer-Barometer: 3/5 

 

Was bleibt, wenn wir sterben? Ein Buch über Trauer und Erinnerung

Wer erzählt sie, die Geschichten der Verstorbenen? Wer bringt zusammen, was ihre Zugehörigen mit ihnen erlebt haben? Eine gute Trauerrednerin kann genau das. Und viel mehr. Denn es sind nicht nur die Erlebnisse, die bei uns bleiben, wenn jemand stirbt. Es ist das Gefühl, das ein Mensch in uns ausgelöst hat, eine Wärme, die wir zu Lebzeiten gespürt haben. In “Was bleibt, wenn wir sterben”* sammelt Louise Brown das Erlebte aus ihrer Arbeit als Trauerrednerin und macht uns mit vielen Menschen bekannt, deren Geschichten erzählenswert waren und immer noch sind. Und sie öffnet sich mit ihrer eigenen Trauer. Was sie uns damit gibt, ist viel mehr als ein lesenswertes Buch. Es sind berührende Gedanken über den Tod, das Sterben und das, was bleibt. Wenn dieses Buch nicht jede*n Leser*in ein kleines bisschen über das eigene Leben nachdenken lässt, dann weiß ich auch nicht. 

 

Ein Buch voller Begegnungen und bewegender Lebensgeschichten

“Was bleibt, wenn wir sterben”* ist ein Buch der Begegnungen. Dank Louise Brown dürfen wir so einige Menschen und ihre Lebensgeschichten kennenlernen, die ihr im Laufe der Jahre als Trauerrednerin untergekommen sind. Noch einmal hält sie die Erinnerungen an diese Menschen fest. Gestaltet ein Marmeladenglas mit kostbaren Erinnerungsfunken und schmückt es passend. Jedes Kapitel eine Besonderheit. Weil uns immer wieder Menschen über den Weg laufen, denen die Autorin begegnet ist. Obwohl sie keinen von ihnen je persönlich kennenlernen konnte. 

 

So spinnt Louise Brown den Faden ihrer Arbeit durch die Leben so vieler Verstorbener, denen sie letzte Worte mitgeben durfte. Und knüpft daran, mit viel Fingerspitzengefühl, immer wieder ihre eigenen Erfahrungen mit dem Verlust ihrer Eltern, das Vertrautwerden mit Trauer und Erinnerungen. Wir lauschen also nicht nur den gekonnt wiedergegebenen Geschichten, sondern wir dürfen auch so einiges von der Autorin lernen. Über das Leben. Über den Tod. Über das Trauern. 

 

„Das war eine der ersten Erkenntnisse, zu der mich meine Arbeit als Trauerrednerin gebracht hat: wie einzigartig und wertvoll wir alle in unserer Alltäglichkeit sind.” (S. 17) 

 

Was wir hinterlassen: Von Erinnerungen und unserem Vermächtnis

Beim Lesen des Buches wird auch mir noch einmal viel deutlicher bewusst: Die Erzählungen und Erinnerungen der Menschen, die uns lieben, die werden dafür sorgen, dass wir nie ganz weg sind. Es geht nicht so sehr um einen Namen, der weitergegeben wird, der bleibt. Es geht – ja, es ist ein wahnsinnig großes Wort, aber es kann in den kleinsten Dingen stecken – um nicht weniger als ein Vermächtnis. Das, worum es am Ende geht, ist die Antwort auf die Frage: Welche schönen Erinnerungen habe ich bei den Menschen hinterlassen, die für mich wichtig waren? Louise Brown stellt es sich wie ein Fotoalbum vor – ein Bild, das mir sehr gefällt:

 

„Oft liegen die lustigsten, ehrlichsten und authentischsten Bilder lose hinten im Buch. (...) Die Bilder, bei denen nicht posiert wurde. Die man mit Absicht nicht eingeklebt hat, weil sie unscharf oder verwackelt sind. Die oft unbeachtet bleiben, aber die man dennoch nicht wegwerfen kann, weil sie beim Anschauen etwas in unserem Innern bewegen.” (S. 35)

 

Ist das nicht schön? Sich beim Leben zu fragen, wie möchte ich gewesen sein. Sich beim Leben zu fragen, welche Erinnerungen möchte ich den anderen hinterlassen, welche Gefühle? Sich beim Leben erlauben, unperfekt zu sein. Weil uns bewusst wird, dass es meist diese Momente sind, die wirklich hängen bleiben. Nicht die Inszenierungen. 

 

Was die Begegnung mit dem Tod uns über das Leben lehrt

Ich denke, das hier, das ist eines dieser Bücher, die wirklich vermitteln können, wie viel Kraft einem diese Arbeit mit dem Tod geben kann. Denn das sagen wir doch immer, auch wenn es für die Anderen so schwer zu verstehen ist: Die Arbeit mit dem Tod, mit der Trauer, sie ist nicht nur traurig und schwer. Sie lehrt uns so viel über das Leben. Und da steckt wahnsinnig viel Schönes drin. 

 

„Diese Menschen haben mir Mut gemacht. Sie haben mir gezeigt, dass mancher Berg, der einem vorerst unbezwingbar erscheint, sich als Hügel entpuppen kann, den man zu meistern vermag..” (S. 40) 

 

Louise Brown stupst etwas ganz tief in mir an. Ihre Erzählungen, ihre Gedanken, berühren mich. Nicht, weil die Geschichten so traurig sind. Es ist nicht die Trauer an sich. Es ist dieser eine Gedanke: Was hinterlassen wir? Was haben unsere Menschen uns hinterlassen? Und was werden sie uns noch mitgeben? 

 

Louise Brown und die leisen, berührenden Worte über das Leben

Immer wieder denke ich beim Lesen, ist diese eine Frage, eine der wichtigsten: Was wollen wir gewesen sein? Die wäre ja fast ein Tattoo wert. Damit man sie zu Lebzeiten nicht vergisst. Und all die Gedanken und Erfahrungen, die um diese Frage herumtanzen, verpackt Louise Brown in so schöne Worte, dass ich sie manchmal verschwommen vor meiner Nase gar nicht mehr richtig sehen kann. Sie hat ein ganz beachtliches Feingefühl für Worte. Und ich denke: Ja, diese Frau kann mit ihren Worten ganz, ganz viel berühren. Nicht mit den großen, lauten Worten. Sondern mit den leisen, weichen.   

Und sie zeigt uns: Wir haben es zu einem großen Teil selbst in der Hand, welche Geschichte unseres Lebens wir erzählen wollen. Ist das nicht wundervoll?

 

„Diese Gedanken an den eigenen Tod helfen mir, Klarheit darüber zu bekommen, welche Geschichte ich von meinem Leben erzählen möchte.” (S. 232)  

 

 

*Transparenz-Hinweis: Der Link mit dem Sternchen ist ein Affiliate-Link. Wenn du darüber etwas kaufst, unterstützt du unsere Arbeit ein kleines Stück – ohne Mehrkosten für dich. Danke dafür.

 

Weitere Buchempfehlungen: 

Caro liest laut: The Comfort Book von Matt Haig

Caro liest laut: Sonnenhang von Kathrin Weßling

Caro liest laut: Dschinns von Fatma Aydemir

Caro liest laut: Hinter dem Blau von Alexa von Heyden

 

 

       

Carolin Junge 

Caro ist ein kreatives Mastermind mit ganz viel Herz, das ganz besonders laut für Bücher schlägt. Da kommen mal locker 50 gelesene Bücher im Jahr zusammen – nur noch getoppt vom Stapel ungelesener Bücher, der einfach nicht aufhören will zu wachsen. Mit ihrem Unternehmen oh boy! und als Fachbuch-Autorin hat sie sich im Branding & Storytelling einen Namen gemacht. Als ausgebildete Trauerbegleiterin (VMN) hat sie außerdem das Büro Ciao gegründet, einen Creative Space in Sachen Trauer. Damit bringt sie frischen Wind und mehr Awareness in die staubtrockene Trauerkultur. Mit ganz neuen, kreativen Trauerprojekten holt sie das Tabu-Thema unter dem viel zu hohen Teppich hervor (Stay tuned!) und bringt Menschen dort mit Tod und Trauer in Berührung, wo es auf den ersten Blick "eigentlich gar nicht hingehört".

     

 

Einen Kommentar hinterlassen

Bitte beachte, dass Kommentare genehmigt werden müssen, bevor sie veröffentlicht werden.

Diese Website ist durch hCaptcha geschützt und es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen von hCaptcha.